Mediendesign

Was ist Mediendesign überhaupt?

Der Begriff selbst setzt sich aus zwei lateinischen Wörtern zusammen, nämlich aus dem Wort medium, welches Mittel meint, und aus dem Wort designare, welches bestimmen und bezeichnen meint. Der sehr weite Begriff meint ganz allgemein das Bestimmen oder Entwerfen eines Mittels, mit welchem eine Botschaft gesendet wird, sprich das Design eines (Kommunikations-)mediums. Solche Medien können Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften, Flyer und Plakate sein, aber auch Websites und Blogs sowie alles im filmischen Bereich wie Filme, Werbespots, Dokumentationen und Ähnliches. Daraus folgt, dass nicht jeder Mediendesigner über die gleiche Erfahrung verfügt und in der gleichen Branche tätig ist. Das Entwerfen von Werbeplakaten für ein Automobilhersteller zählt ebenso zum Mediendesign wie das Erstellen eines kurzen Werbespots. Während der Produktdesigner versucht, ein Produkt zu entwerfen, welches möglichst vielen Nutzern bedienbar, ästhetisch und alltagstauglich erscheint, ist es das höchste Ziel des Mediendesigners durch das von ihm entworfene Medium an möglichst viele Adressaten eine Botschaft zu senden oder zumindest eine Wirkung zu entfalten.

Wie hat sich das Mediendesign entwickelt?

Mediendesign gibt es nicht erst seit der europäischen Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg. Mediendesign ist im Grunde so alt wie die Menschheit selbst. Legt man nämlich die oben stehende Definition als Maßstab zugrunde, sind die Höhlenmalereien, die während der Steinzeit angefertigt wurden, nichts anderes. Durch diese Zeichnungen sollte etwas kommuniziert werden. Sie sind also das Kommunikationsmedium,  mit welchen ihre Künstler den Rezipienten eine Botschaft senden wollten. Auch die kunstvolle Anordnung der Hieroglyphen auf ägyptischen Tempelwänden, die komplizierten, ästhetischen Überlegungen folgt, ist im Grunde nichts anderes als das Produkt eines Mediendesigners.

Im ausgehenden Mittelalter gegen Ende des 15. Jahrhunderts gewann das Mediendesign allerdings mit dem Flugblatt, respektive der Flugschrift und nicht zuletzt mit dem Buch selbst stark an Bedeutung. Durch den Beginn der Massenproduktion wurden Bücher immer erschwinglicher, was dazu führte, dass sich immer mehr Menschen eines oder mehrere leisten konnten. Spätestens seit Luthers Bibelübersetzung, mit der gleichzeitig die deutsche Sprache weitestgehend standardisiert wurde, was wiederum zur Folge hatte, dass immer mehr Menschen lesen und schreiben lernten, stieg die Bedeutung dieser Berufsgruppe weiter an. Dennoch gab es den Mediendesigner in dieser Form oder mit dieser Bezeichnung noch nicht. Vielmehr war jeder Buchsetzer gleichzeitig auch ein Mediengestalter. Jeder Verfasser und Künstler eines Flugblattes – einige waren fast nur illustriert! – war im Grunde das, was wir heute einen Mediendesigner nennen.

Auch die Erfindung des Films gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte nicht dafür sorgen, dass es einen eigenen Beruf des Mediengestalters gab, obwohl jeder Filmproduzent nichts anderes war. Erst durch die Revolution der Neuen Medien in unserer Zeit haben es möglich gemacht, dass sich dieser Berufsstand etablierte. Dabei wird bei der historischen Betrachtung klar ersichtlich, dass sich der Mediendesigner nicht nur durch ein hohes Maß an Kreativität auszeichnen muss, sondern auch technisches Können in seinem Fachgebiet aufzuweisen hat. Wer Printmedien entwirft, wird nicht umhin kommen, mit entsprechender Software gut umgehen zu können und ein zumindest rudimentäres Verständnis von Druckprozessen und Papierqualität zu haben.  Ein Mediendesigner, der im Bereich Film arbeitet, muss in Kameraeinstellungen, Licht- und Tontechnik bewandert sein.

Ist Kommunikationsdesign dasselbe wie Mediendesign

Hält man an der oben genannten Definition fest und berücksichtigt, dass es solche Medien gibt, die eine klare Botschaft an den Rezipienten richten (Zeitungen, Zeitschriften etc.) und solche, die eher zur Unterhaltung dienen (Filme, Dokumentationen), so ist das Kommunikationsdesign eher als Untergattung des recht allgemein gefassten Mediendesigns anzusehen. Das oberste Ziel des Kommunikationsdesigns ist die effektive Kommunikation. Während der Designer einer lustigen Postkarte den Rezipienten vor allem erheitern möchte, sucht der Designer eines Werbeplakates den Rezipienten zu einer Handlung zu verführen. Bei Letzerem steht also vorwiegend die Kommunikation im Vordergrund, während bei Erstgenanntem andere Aspekte im Vordergrund stehen.

In der Umgangssprache werden die Begriffe jedoch häufig synonym verwendet. Ein weiterer Faktor, der für Verwirrung im Sprachgebrauch führt, ist, dass die Berufsbezeichnung des Grafikdesigners zunehmend durch die des Kommunikationsdesigners ersetzt wird. Ferner kommt hinzu, dass sich der Kommunikationsdesigner noch in den 1980er Jahren vornehmlich auf Printmedien fokussierte, nun aber beispielsweise auch Filme oder der Entwurf ganzer Ausstellungen in sein Tätigkeitsfeld fallen.

Interaction Design

Auch das Interaction Design kann als Untergruppe des Mediendesigns, aber auch des Produktdesigns angesehen werden. Hier steht vor allem die Interaktion des Nutzers mit dem von ihm genutzten Medium im Vordergrund. Ziel ist es, dem Nutzer eine angenehme, intuitiv versteh- und bedienbare Benutzeroberfläche zu bieten, in die er sich schnell hineinfinden kann. Es kann sich hierbei um das Betriebssystem eines Smartphones handeln, oder um das Entertainment-Programm eines Flugzeuges. Das Design solcher Software, bei welchem der Nutzer mit einem Interface, also mit einer Programmmaske zu tun hat, anhand welcher er auf verschiedene Features zugreifen kann, nennt man auch Interface Design. Es liegt in der Natur der Sache, dass es gerade Interface Designer sind, die sehr stark mit Symbolen und Farben arbeiten, um der intuitiven Bedienbarkeit Rechnung zu tragen. Dies ist vor allem deshalb nötig, weil es in unserer modernen Welt, die sehr stark medial geprägt ist, gar nicht mehr möglich ist, alle elektronischen Geräte und jede Software bereits bedient zu haben. Aus diesem Grund sind Interface Designer angehalten, ein Interface zu entwerfen, welches auch von solchen Nutzern sofort bedient werden kann, die es noch niemals zuvor bedient haben.

Doch nicht immer handelt es sich beim Interaction Design um elektronische Medien. Auch Ausstellungen in Museen gehören zu den typischen Aufgaben eines Interaktionsdesigners, da immer mehr Ausstellungen auf moderne Lerntheorien setzen, die (inter-)aktive Auseinandersetzung mit den Ausstellungsstücken fordern.

Diese beiden Bereiche, also der nicht elektrische und elektrische, können sich auch überlappen: so zum Beispiel in einem Automobil. Automobilhersteller investieren oftmals große Summen in die Fahrgastzelle und vor allem in das Cockpit, das gleich mehrere Aufgaben erfüllen muss. Einerseits muss es das Auge ästhetisch ansprechen und in vielen Fällen durch bestimmte Materialien Wertigkeit symbolisieren, andererseits sollte sich in jedem Auto jeder Mensch, der den Führerschein hat, sofort zurecht finden können. Dass dies natürlich keine leichte Aufgabe ist, liegt auf der Hand. Eine noch schwerere Aufgabe hat der Interaction Designer in der Flugzeugindustrie, wo nicht nur Piloten, sondern vor allem auch Fluggesellschaften darauf pochen, dass die Cockpits eine möglichst hohe Ähnlichkeit mit bereits bestehenden Cockpits aufweisen, um die Umschulungskosten so gering wie möglich zu halten. Dieser Wunsch geht mitunter so weit, dass der Interaction Designer an sinnvollen Neuerungen gar gehindert werden kann.
Auch beim Interaction Design sind also die möglichen Anwendungsgebiete sehr breit gefächert, was bedingt, dass der Interaktionsdesigner über eine umfassende Kompetenz in seinem jeweiligen Metier verfügt.

Editorial Design

Das Editorial Design beschäftigt sich als weitere Untergruppe des Mediendesigns ausschließlich mit der Gestaltung von Printmedien und vorwiegend mit der Gestaltung von Zeitungen oder Zeitschriften. Editorial Designer sind nicht nur in Sachen Grafiksoftware bewandert, sondern verfügen über profunde Kenntnisse im Bereich des Drucks, des Satzes und zunehmend auch im Bereich der elektronischen Medien, da immer mehr Zeitungen und Zeitschriften online content bereithalten. Bei ihrer Tätigkeit arbeiten sie sowohl mit Fotografen als auch mit Redakteuren zusammen und wirken maßgeblich am Cover der Zeitschrift oder Zeitung sowie an deren gesamten Layout mit.

Corporate Design

Das Corporate Design fokussiert sich nicht einfach auf ein Einzelmedium, sondern auf ein gesamtes Unternehmen oder auf eine Unternehmensgruppe. Ziel des Corporate Designers ist es, einem Unternehmen oder einer Gruppe von Unternehmen ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben, welches die unternehmerischen Werte und die Philosophie repräsentiert und den (potentiellen) Kunden kommuniziert. Das Corporate Design kann sich bei kleineren Unternehmen auf Schilder, Plakate und Briefköpfe beschränken. Bei größeren Unternehmen gehören aber auch Dinge wie die Inneneinrichtung der Filialen, Kostüme, Düfte, Werbung etc. zu den Aufgaben eines Corporate Designers, der dann meistens in einem größeren Team arbeitet. Auch die Webpräsenz und Werbespots gehören in den Bereich des Corporate Designs, welches man daher auch auf ein Unternehmen bezogenes Mediendesign nennen könnte.

Welche Berufe gibt es im Bereich des Mediendesigns?

Hier wäre natürlich der Beruf des Mediendesigners selbst zu nennen, wofür es mittlerweile auch einen eigenen Studiengang gibt. Da das Feld des Mediendesigns aber sehr breit gefächert ist, ist es nicht verwunderlich, dass sich gleich mehrere Berufe für jemanden eignen, der gerne im Mediendesign tätig wäre. Da wäre selbstverständlich der Beruf des Kommunikations- oder Grafikdesigners zu nennen. Auch der Beruf eines Schrift- oder Fotosetzers ist im Grunde nichts anderes als der eines Mediendesigners. Auch ein Regisseur oder ein Drehbuchautor arbeitet gleichzeitig als Mediendesigner. Es ist vor allem wichtig, sich genau darüber klar zu werden, welche Medien man in welcher Branche gestalten will. Diese Zieldefinition diktiert dann im Grunde den genauen Werdegang.

Für all jene, die sich überlegen Mediendesigner im digitalen und Printbereich zu werden, empfiehlt sich daher der für diesen Beruf eigens kreierte Studiengang des Mediendesigners, der an immer mehr Hochschulen belegt werden kann. Wer die Arbeit im Bereich von Bild und Ton bevorzugt, findet an Filmhochschulen diverse Ausbildungen (u.a. zum Tontechniker), welche sich auf jene Gebiete des Mediendesigns konzentrieren.  Sowohl an Hochschulen als auch an Filmhochschulen ist mit einer Regelstudienzeit von drei bis fünf Jahren zu rechnen, wobei entweder eine Qualifikation als Bachelor of Arts (etwa 3 Jahre) oder Master of Arts (insgesamt etwa 5 Jahre) erstrebt werden kann.

Hochschulen für Mediendesign in Deutschland (Auswahl)

btk Hochschule für Gestaltung
Campus Berlin
Bernburger Str. 24 – 25
10963 Berlin
www.btk-fh.de
(Die Hochschule unterhält ferner jeweils einen weiteren Campus in Iserlohn und Hamburg)

Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Bingstr. 60
90480 Nürnberg
www.adbk-nuernberg.de

Fachhochschule Dortmund
Max-Ophüls-Platz 2
Dortmund Zentrum
www.fh-dortmund.de

Filmhochschulen

Filmakademie Baden-Württemberg
Akademiehof 10
71638 Ludwigsburg

Hamburg Media School
Finkenau 35
22081 Hamburg
www.hamburgmediaschool.com